Archiv für die Kategorie ‘Geleitworte’

Geleitwort Zweites Quartal 2009

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Eines Tages sitzt der Erzvater Abraham vor seinem Zelt. Die Mittagshitze läßt die Luft flirren. Auf einmal sieht er drei Männer vor sich stehen. Staubige und schwitzende Reisende. Wie es Brauch und Sitte ist, denkt Abraham nicht lange nach. Er bietet ihnen Platz an im Schatten eines Baumes, läßt ihnen die Füße waschen und fährt spontan an Leckereien auf, was Zelt und Weide zu bieten haben. Einfach so. Erst sehr viel später erkennt Abraham, dass die staubigen und schwitzenden Reisenden Gottes Boten gewesen sind. Engel des Herrn mit wichtigen Nachrichten.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte aus dem 1. Buch Mose als Geleitwort für die nächsten Monate? Weil wir am 14. Juni ein neues Gemeindehaus einweihen werden. Und weil in dieser Geschichte ein paar richtig gute Gedanken stecken, die uns begleiten können, wenn wir das neue Haus mit Leben füllen werden.

Die Gastfreundschaft, die Abraham lebt, ist ganz und gar bedingungslos. Wie es im Alten Orient üblich ist. Wenn ein Reisender vorbei kommt, wenn ein Mensch an der Tür klingelt, wenn jemand Unterstützung braucht, wenn jemand ein Schwätzchen halten will, wenn jemand andere Menschen sucht, dann steht ihm die Tür offen. Und so wünsche ich mir das auch für unser neues Gemeindehaus. Dass dort so oft wie möglich die Tür offen steht, dass in den Räumen das Leben sprüht, dass Menschen aller Art sich dort treffen und begegnen mögen. Ohne Ansehen der Person. Ein gastliches Haus, das wünsche ich mir.

Aber Abraham tut noch mehr. Er ist wahrhaft gast-freundlich, freundlich zu seinen Gästen. Wer weiß? Vielleicht hatte er gerade etwas ganz anderes vor. Vielleicht passen ihm die Gäste überhaupt nicht in den Kram. Vielleicht ist er innerlich gar nicht auf Besuch eingestellt. Aber als die Drei vor ihm stehen, ist das alles gleichgültig. Da kommen Menschen, und Abraham begrüßt sie freudig und freundlich. Gast-freundlich. Und auch das wünsche ich mir für unser neues Haus. Dass all das, was dort geschehen wird, in einer guten und gedeihlichen und freundlichen Atmosphäre geschieht. In einem Klima, einer Atmosphäre, in der jeder und jede den Geist spüren kann, der uns als Gemeinde trägt und hält. Den Geist eines freundlichen, eines menschen-freundlichen Gottes. Ein gast-freundliches Haus, das wünsche ich mir.

Die drei Gäste unter Abrahams Baum waren Engel. Boten Gottes. Ob durch unsere Räume Engel wandern werden, das weiß ich nicht. Aber dass die Botschaft Gottes durch uns in unserem Miteinander Gestalt und Leben gewinnen kann, das weiß ich wohl. Und deshalb wünsche ich unserem neuen Haus von ganzem Herzen, dass Gottes Geist dort nicht nur Gast, sondern ganz und gar zu Hause ist.

In Vorfreude auf die Einweihung

grüße ich Sie herzlich, Ihre Pfarrerin Dorothee Wüst


Geleitwort Erstes Quartal 2009

Kennen Sie den? Stehen zwei Mathematiker vor dem Kindergarten. Drei Kinder gehen rein, fünf Kinder kommen raus. Sagt der eine Mathematiker zum anderen: “Wenn jetzt noch zwei reingehen, ist keiner mehr drin.”

Okay, Sie haben keine Miene verzogen? Noch nicht einmal ein leichtes Schmunzeln? Wie schade. Denn wie gerne hätte ich Sie zum Lachen gebracht. Nicht nur, weil Humor das Leben versüßt, sondern im Blick auf Ostern. Meine Kollegen haben das früher jedenfalls versucht. Die haben an Ostern in der Kirche einen Witz erzählt. Damit die Menschen nach der düsteren Passionszeit mal wieder so richtig von Herzen lachen. Dem Tod im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht lachen.

Denn das ist ja der Sinn von Ostern. Da feiern wir, dass der Tod nicht das letzte Wort über unser Leben hat. Sondern dass letztendlich das Leben den Sieg davonträgt. Dass wir den Tod eigentlich nicht mehr fürchten müssen. Sondern auf das Leben bauen können. In Ewigkeit Amen. Wenn das kein Grund zur Freude ist.

Für viele Menschen nicht. Weil es gar nicht so leicht ist, wirklich daran zu glauben. Den Tod kann ich mir vorstellen. Den sehe ich sozusagen jeden Tag. Auf dem Friedhof, in den Nachrichten, im Nachbarhaus. Aber ein Leben nach dem Tod? Wie soll das gehen, wie soll das funktionieren, wie soll das aussehen? Keine Ahnung.

Vielleicht wissen das die Ostergeschichten in der Bibel. Aber die malen auch keine Bilder vom Jenseits, geben keine Erklärungen für das Leben nach dem Tod, die liefern auch keine Gebrauchsanweisung für die Ewigkeit. Die erzählen von Menschen, die einen Toten suchen und ein leeres Grab finden und schließlich Jesus treffen. Einen lebendigen Jesus. Obwohl der doch eigentlich tot zu sein hat.

Und das reicht denen. Das reicht denen für ein befreites Osterlachen, das über die Jahrhunderte schallt und noch heute Menschenherzen aufatmen läßt. Auch wenn das Hirn die Pointe hinterfragt, kann das Herz um den Witz an der Sache wissen. Und der ist gestern und heute und morgen das Leben. Gott verheißt Leben.

Vielleicht kein Grund, schallend zu lachen. Aber Fundament für eine heitere Gelassenheit, mit der man getrost durchs Leben gehen kann. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Ostern.


Geleitwort 1. Quartal 2008

Manche Ereignisse werfen wirklich lange Schatten voraus. Zum Beispiel der Advent. So konnte ich bereits im Februar meiner Tageszeitung entnehmen, dass es am 1. Advent 2008 in Kaiserslautern einen weiteren „Verkaufsoffenen Sonntag“ geben soll. Und das liegt mir ungefähr so schwer im Magen wie Nikoläuse im September.

Nichts gegen Konjunkturaufschwung und schwarze Zahlen für den Einzelhandel. Nichts gegen Einkaufsbummel mit der Familie und eine ruhige Tasse Glühwein abseits der Werktagsgeschäftigkeit. Aber die immer weiter um sich greifende Aushöhlung der Sonntagsruhe kann nicht der Stein der Weisen sein. Mag sein, dass die Bundeshauptstadt uns in der Provinz mit zehn verkaufsoffenen Sonntagen bereits den fragwürdigen Rang abläuft; mag sein, dass der Eventcharakter offener Geschäfte am Sonntag noch die Massen in die Gassen schleust; mag sein, dass sich die Kirchen an dieser Stelle immer ein wenig wie Spaßbremsen anhören: Sie tun es aus gutem Grund. Sogar aus mehreren Gründen.

Sechs Tage lang können wir aus Herzenslust einkaufen. Selbst die werktätige Bevölkerung kann zur Not noch am Samstagabend um 21.59 Uhr die letzten Einkäufe tätigen. Aber am siebten Tag könnten wir dann auch einmal etwas anderes tun, besonders am 1. Advent. Da könnten wir Ruhe aushalten, Plätzchen kosten, leise Gespräche führen, nichts tun, Adventslieder singen, Kerzen anzünden, unseren eigenen Glühwein kochen, die Oma einladen, Weihnachtssterne basteln und, und, und. Das alles könnten wir tun. Wenn wir nicht schon wieder wie gehetzte Hasen, pardon Nikoläuse, durch die Geschäfte eilen würden, um den Euro, den wir eh nur einmal ausgeben können, in die Kasse zu werfen.

Wobei die, die kaufen, wenigstens noch die Entscheidung haben, wie sie ihren 1. Advent zubringen. Die, die dann auch noch an diesem Tag arbeiten müssen, haben gar keine Entscheidung. Die müssen an der Kasse sitzen, freundlich Menschen beraten, Regale ein- und ausräumen. Und vermutlich wird hinter so manchem professionellen Lächeln dann an diesem Tag schon eine leise Träne sitzen über einen verlorenen Tag mit der Familie.

Dass immer mehr Menschen sonntags arbeiten müssen, ist kein Geheimnis. Es gibt nun einmal Arbeitsbereiche, die keine Unterbrechung zulassen, und Notfälle, die nicht warten können. Aber der Einkauf von Weihnachtsgeschenken ist kein Notfall, und der Arbeitsbereich Kasse kann ganz gut ab und zu einmal ruhen. Wir können nicht auf der einen Seite laut darüber klagen, dass Geld die Welt regiert, und auf der anderen Seite dem Geld stets und ständig oberste Priorität einräumen. Oder anders gesagt: Wann ist Geld Konjunktur und wann ist Geld Mammon? Und wieviel ist uns die Konjunktur / der Mammon wert, wenn aus der Sonntagsruhe von Jahr zu Jahr mehr sozusagen ein „Sonntagsrühchen“ wird?

Ich jedenfalls möchte nicht meinem Kind irgendwann einmal sagen: „Weißt du, früher gab es einmal einen Tag, den nannte man Sonntag…“ Ich möchte auch nicht erleben, dass meine Enkel am 1. Advent selbstverständlich das „Kaufland“ stürmen, während ihre Mutter wehmütig daran denkt, dass in ihrer Jugend am 1. Advent noch eine Kerze angezündet wurde. Ich möchte, dass wir das Gute für unsere Kinder und Enkel bewahren. Und „das Gute“ finde ich eben wahrlich nicht nur in Kaufhausregalen.

Vielleicht teilen Sie meine Meinung. Vielleicht sehen Sie die Dinge jedoch ganz anders. Dann freue ich mich darauf, mit Ihnen zu diskutieren. So oder so: Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und grüße Sie herzlich -

Ihre Dorothee Wüst, Pfarrerin